Teilen Zusammenarbeit von Regieassistenz und Aufnahmeleitung: Konfliktpunkte und -lösungen
referiert von Monika Schopp

Aufgrund der historischen Entwicklung weisen die Berufsbilder Aufnahmeleitung und Regieassistenz Überschneidungen auf. Während jedoch der Aufnahmeleiter durch das “Produktionsauge” schaut, versucht der Regieassistent in erster Linie, die kreativen Ideen des Regisseurs umzusetzen. Der Aufnahmeleiter ist stark von den Informationen des Regieassistenten abhängig, wodurch eine eindeutige Kommunikationsebene entscheidend ist.

Da oft schon im Vorfeld aus Zeitgründen oder vermeintlicher Klarheit von Zuständigkeiten keine klare Verständigung zwischen RA und AL zustande kommt, schleichen sich von vornherein Unklarheiten und Missverständnisse ein. Diese können leicht Konflikte verursachen, die Auswirkungen bis hin zu unerwarteten Kündigungen von Regieassistenten haben. Aus Unsicherheit, aus Angst vor Autoritäts-/Gesichtsverlust werden Fehler oft nicht eingestanden, wodurch das psychologische Problem der Projektion auftreten kann. Man versucht, von seinem eigenen Irrtum abzulenken, indem man Fehlverhalten des anderen sucht und diese anprangert. “Unredliches Taktieren” und Einschüchterung können Folgen dieser Verhaltensmuster sein.

Um diesen Konflikten entgegenzutreten, muss der Teamgedanke im Vordergrund stehen. Es gilt, das gemeinsame Ziel (= Fertigstellung des Films) zu definieren. Dafür sind unterschiedliche Begabungen nötig, die akzeptiert und durch kooperatives Verhalten gefördert werden müssen. Schwächen muss entgegengewirkt werden, aber durch Loyalität und Unterstützung. Diskussionen über Fehlerursachen und Schuldzuweisungen müssen zurückgestellt (nicht zurückgewiesen) werden, denn die Problemlösung steht im Vordergrund!
Gerade bei Reibungen im Team müssen sich Regieassistent und Aufnahmeleiter, die Psychologen am Set, einig sein! Um den Spagat zwischen der Loyalität gegenüber dem Regisseur und der gegenüber der Produktion erfolgreich zu schaffen, ist es wichtig, vor allem die Position des Regieassistenten klar zu definieren und abzugrenzen, da dieser im Konfliktfall allein dasteht und nicht den “Schutz” des Produktionsteams genießt.

Konflikte können auch dadurch entstehen, dass Kommunikationswege nicht eingehalten werden. So sollte es eine Selbstverständlichkeit sein – vor allem seitens der Regie und Produktionsleitung -, dem Regieassistenten alle Veränderungen mitzuteilen. Nur dann kann ein Regieassistent seiner primären Aufgabe nachkommen, alle Abteilungen mit den aktuellen Informationen auf dem Laufenden zu halten. Aufgabe der Aufnahmeleiter ist es dann, die Informationen in Absprache mit dem Regieassistenten organisatorisch umzusetzen.

Solange Kompetenzen und Zuständigkeiten von Regieassistenten und Aufnahmeleitern im Rahmen der deutschen Film- und Fernsehproduktionen nicht eindeutig sind, sind bei jedem Film immer wieder neue Absprachen zwischen Regieassistent und Aufnahmeleiter hinsichtlich der jeweiligen Aufgabenverteilung sicherlich hilfreich. Am besten hält man diese Aufgabenverteilung schriftlich fest und lässt sie von Regie und Produktionsseite abzeichnen.

Je größer die Transparenz, desto geringer die Quote der Missverständnisse bei der Filmherstellung. Auch die Set-Aufnahmeleitung wird immer häufiger in die “Arbeitslosigkeit” (oder zum Catering) geschickt, da der Regieassistent, besonders wenn er sich “1. AD” nennt, immer mehr deren Aufgaben übernimmt. Auch hier ist es aus Mangel an genügend Vorbereitungszeit den Beteiligten nicht immer möglich, genügend Informationen auszutauschen und klare Verhältnisse zu schaffen.

Festzustellen ist zum Abschluss allerdings: 1. AD bedeutet nicht nur, “Setaufnahmeleitung” zu machen, wie dies manchmal unter Kollegen verstanden wird. Der klassische 1. AD im amerikanischen System hat wesentlich mehr Verantwortlichkeiten als unsere deutschen Regieassistenten, auch wenn sie sich 1. AD nennen (um professioneller zu klingen). 1. AD kann sich berechtigterweise nur derjenige nennen, der in Teams arbeitet, die über eine amerikanische Aufgabenverteilung verfügen, da sonst die Verantwortlichkeiten nicht mit denen eines 1. AD übereinstimmen.

BVR Nachrichten Mai 2004 – Madeleine von Taysen

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