Vielleicht hilft uns das amerikanische System, gewisse Problembereiche zwischen Regieassistenz und Aufnahmeleitung besser zu bewältigen. Es geht hier nicht darum, das amerikanische System dem deutschen überzustülpen. Wir müssen uns vielmehr überlegen, wie man unsere Strukturen mit dem Blick auf andere verbessern kann.
In Amerika gibt es zum Beispiel nicht die Aufteilung von Aufnahmeleitung auf der einen und Regieassistenz auf der anderen Seite. Der 1. Assistant Director ist die Schnittstelle zwischen Produktion und Regie. Er steht auf Produktionsseite, ist aber auch die rechte Hand des Regisseurs. Mit dem Produktionswissen kann er besser den Ideen des Regisseurs begegnen. Er allein ist verantwortlich für den Drehplan, organisiert die Vorbereitungen, während der 2. Assistant Director für die Dispo zuständig ist und dadurch die Schnittstelle zwischen 1.AD, den Departments und dem Produktionsbüro darstellt.
Da die Aufgabenverteilung in diesem System klar definiert ist, muss auch nicht bei jeder Produktion neu darüber diskutiert werden. Neben dem AD-Department gibt es das Location Department mit dem Location Manager, zu vergleichen mit unserem Motivaufnahmeleiter. Für die reinen Belange der Regie gibt es dann im amerikanischen System noch den personal assistant to the director. Falls man in das deutsche System das AD-Prinzip einbauen will, muss man allerdings darauf achten, folgende Positionen zu besetzen: Production Manager, Production Coordinator, 1. AD, 2. AD, Location Manager. (Diese Positionen könnten durch unsere Produktionsleiter, Aufnahmeleiter und Regieassistenten im Rahmen von entsprechenden Weiterbildungen abgedeckt werden.) Es gibt im amerikanischen System aufgrund des höheren Budgets zwar viel mehr Posten, aber auch abgespeckte Versionen und vor allem die anders gearteten Arbeitsstrukturen sind durchaus sinnvoll und tragen zu mehr eindeutiger Kompetenz und Transparenz bei.
BVR Nachrichten Mai 2004 – Madeleine von Taysen
