Teilen Veröffentlichung des ersten Regie-Diversitätsberichtes 2010-2013
während der TAGE DER REGIE in München

Der Diversitätsbericht kann als Printausgabe in der BVR-Geschäftsstelle bestellt oder hier als PDF Download abgerufen werden cb-tm.de/notiz/download.php?id…

Am Sonntag, den 9.11.2014, wurde in der HFF München anlässlich der TAGE DER REGIE, wenige Stunden vor der Gala zur Verleihung des Deutschen Regiepreises METROPOLIS 2014 der erste Regie-Diversitätsbericht des Bundesverbandes Regie e.V. (BVR) präsentiert. Neben den BVR-Vorständinnen Esther Gronenborn und Verena S. Freytag führten Frau Tove Torbiörnsson vom schwedischen Filminstitut, die Stockholmer KTH-Gender-Professorin Frau Prof. Anna Wahl und die Regisseurin Delyth Thomas von Directors U.K. als Gastrednerinnen durch die Matinee.

Der von den Mitgliedern des BVR beauftragte erste Regie-Diversitätsbericht analysiert die Sendedaten der Jahre 2010-2013 im fiktionalen Primetime-Programm von ARD und ZDF sowie die in diesen Jahren im Kino ausgewerteten Spiel- und Dokumentarfilme.

Der Bericht teilt die fiktionalen Fernsehprogramme in Untergruppen auf. Er unterscheidet hier zwischen Serien unter und über 60 Minuten sowie festen fiktionalen Hauptsendeplätzen ab 20.15 h, auf denen vor allem Fernsehspiele oder quotenstarke Reihen gezeigt werden. Neben einem Überblick über den Gesamtzeitraum bietet der Bericht jeweils eine Aufschlüsselung über die einzelnen Jahre. Im Kinospiel- und Dokumentarfilm beinhaltet die Genderanalyse neben einem Gesamtüberblick noch eine Einordnung der Filme in Budgetklassen. In der geplanten nächsten Ausgabe des jährlich erscheinenden Berichtes soll auch auf Fragen zum ethnisch-kulturellen Hintergrund und zum wichtigen Thema der Altersstruktur eingegangen werden. In dieser Ausgabe gibt der Bericht vor allem Auskunft über die Genderverteilung in der Regie.

Dem Bundesverband Regie e. V. geht es dabei vor allem darum, Transparenz herzustellen. „Viele Redaktionen und Produktionsfirmen sind sich aufgrund eines fehlenden Diversitäts-Monitorings bisher nicht über die niedrige Beschäftigungsrate von Regisseurinnen in den eigenen Serien, Reihen und Fernsehfilmen bewusst.“ heißt es in dem Bericht. Der BVR-Diversitätsbericht möchte dazu beitragen, dass sich dies ändert und anregen, dass ein entsprechendes Monitoring von Sendern und Filmförderanstalten selber in die Hand genommen wird. So wurden in den betrachteten vier Jahren nur 11 % der Sendeminuten des fiktionalen Primetime-Programmes der beiden öffentlich-rechtlichen Sendanstalten von Regisseurinnen inszeniert.

Auf manchen Sendeplätzen, wie zum Beispiel der Krimischiene am Freitagabend im ZDF, liegt der Frauenanteil in der Regie bei nur 3 %. Eine der wenigen Ausnahmen bildet die Miniserie „Klimawechsel“ (ZDF), die zu 100 % von Frauen inszeniert wurde. Auch die Krimiserie „Unter allen Umständen“ (ZDF) mit Natalia Wörner sticht mit einem Frauenanteil von 100 % hervor, außerdem die Serie „Tierärztin Dr. Mertens“ (ARD), die immerhin einen Anteil von 66,7 % an Regisseurinnen hat. Ansonsten liegt der Frauenanteil in der Regie bei Serien selten bei mehr als 40 %. In etwas mehr als der Hälfte der Serien sogar bei 0 %, denn hier führte in keiner der ausgestrahlten Folgen zwischen 2010 und 2013 eine Frau Regie.

Auf den festen fiktionalen Hauptabend-Sendeplätzen, welche zumeist Erstausstrahlungen von Fernsehspielen und Reihen präsentieren, bietet sich ein ähnliches Bild. Vergleicht man den Sonntagabend bei ARD und ZDF liegt der Frauenanteil in der Regie im Sonntagskrimi (Tatort, Polizeiruf 110, Schimanski) bei 9 % und in der frauenaffinen ZDF-Herzkino-Reihe mit 14 % nur etwas höher.

Auf dem deutschen Kinospielfilm-Markt sind Regisseurinnen mit 22 % im Vergleich zu den 11 % Anteil in fiktionalen Fernsehfilmen des öffentlich- rechtlichen Rundfunks doppelt so stark vertreten.
Im hohen Budget der Kino-Spielfilme ab 5 Mio. Euro sinkt der Regisseurinnenanteil auf rund 10 % ab. Besonders im Kinderfilmbereich scheinen Regisseurinnen eine Nische gefunden zu haben, um auch bei den lukrativeren und publikumsaffineren Werken mithalten zu können. Im Dokumentarfilmbereich liegt der Regisseurinnen-Anteil mit 31 % am höchsten. Eine genauere Auswertung des Dokumentarfilmmarktes ist in Arbeit und wird im nächsten Jahr für die Jahre 2010-2013 nachgeholt.

Auffällig sei, dass sich mehr Regisseurinnen als ihre männlichen Kollegen nur mit einem oder zwei Filmen – oft Abschluss- und Debutfilm – etablieren können und in den Folgejahren gar nicht mehr auftauchen. Vergleicht man das mit den Zahlen des Fernsehbereiches, hängt dies auch damit zusammen, dass Regisseurinnen wenig Eingang in diesen wichtigen, kontinuierliche Beschäftigung signalisierenden TV-Arbeitsmarkt finden. Dadurch fehle ihnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen ein zweites Standbein, das für die Entwicklung von Kinofilmen und längerfristigen Projekten finanzielle Ressourcen wie auch Erfahrung und Routine ermöglicht.

Insgesamt wünscht sich der BVR, der mit einer Mitgliederanzahl von 600 Regisseuren und Regisseurinnen die größte Interessensverbindung dieses Berufszweiges darstellt, eine weitere qualitative Studie, kontinuierliches Monitoring sowie ein Diversitätsmanagement von Sendern, Filmförderungen, Produktionsfirmen und Verleihern.
EG

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