Aufforderung zur Verabredung von Leitlinien zur Zusammenarbeit mit Regisseurinnen und Regisseuren

Offener Brief an die ARD-Programmdirektorin Frau Christine Strobl

 

Sehr geehrte Frau Strobl,

wir möchten Sie hiermit einladen, Gespräche mit uns zu führen, die idealerweise in Leitlinien münden, wie die ARD und die Degeto mit Regisseurinnen und Regisseuren in Zukunft zusammenarbeiten. Dies hängt maßgeblich mit einer Reihe von bedauerlichen Entwicklungen zusammen.

Die Art und Weise, wie Regisseurinnen und Regisseure in Deutschland bei ihrer Arbeit unter Druck gesetzt sind, hat ein Maß erreicht, das nicht mehr hinnehmbar ist. Die Drehbücher kommen fast immer zu spät, Fragen nach inszenatorischen Möglichkeiten und künstlerischer Expertise, den Rahmenbedingungen der Arbeit oder dem Etat- und Budgetrealismus werden so gut wie nie gestellt. Auf die richtige und überfällige Absenkung der Tageshöchstarbeitszeit 2019, die de facto den Entfall von zwei Drehtagen (gerechnet für ein Fernsehspiel) bedeutete, wurde weder in den Etats, noch den Inhalten, noch mit dem Ausgleich durch Drehtage reagiert.

Zugleich richten sich Wünsche der Kolleginnen und Kollegen vom Drehbuch nach mehr Gehör und Einfluss auf die Produktionsabläufe in einer Weise, die notwendigerweise für den kollidiert, der seinen Beruf als Regisseur und Regisseurin ernstnimmt. Die pauschale Forderung nach Einflussnahme auf die hoheitlichen Bereiche von Redaktion und Produktion befremden insbesondere dann, wenn Drehbücher nicht final vorliegen.

Diese Probleme löst man nach unserer Ansicht am besten gemeinsam und nicht gegeneinander. Bessere Filme entstehen nicht, indem Forderungen erhoben oder angedroht werden, sie entstehen in der Zusammenarbeit und in der Einigung darauf, was man verbessern und realisieren kann. Denn Respekt für die eigene Arbeit einzufordern bedeutet auch, dass man in der Lage sein muss, der Arbeit anderer Respekt zu zollen.

Nicht zuletzt beklagt der BVR, dass die Verpflichtung zur Nennung von den ARD-Anstalten ein bedauerliches Niveau erreicht hat. So kommen in den Ankündigungsmaterialien wie den Kacheln der Mediatheken Regie-Nennungen überhaupt nicht mehr vor. Das ist in einer Branche, in der man von seinem Namen lebt, kein Zeichen der Wertschätzung, sondern ein Tiefpunkt.

Viele große Regisseurinnen und Regisseure haben über die Jahre mit und für die ARD gearbeitet und beide Seiten haben oft genug gute Partner in ihrem jeweiligen Gegenüber gefunden. Wir haben aber das Gefühl, dass in den vergangenen Jahren die Kultur des Gesprächs und des Austauschs verloren gegangen ist. 

Daher möchten wir mit Ihnen die skizzierten Probleme konstruktiv angehen und nach Möglichkeit lösen. Sofern es thematische Überschneidungen mit den Kolleginnen und Kollegen vom Drehbuch gibt, halten wir es für sinnvoll, diese miteinzubeziehen.

Wir würden uns freuen, wenn Ihnen dies zeitnah möglich ist, und freuen uns von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen

Der Vorstand des BVR

Michael Chauvistré, Matthias Greving, Cornelia Grünberg, Stefan Hering, Sibylle Kappes, Michael Schäfer, Satu Siegemund