Rettet die Filmkultur!

Positionen von neun Interessenverbänden zur FFG Novelle und zur Unterstützung der Filmschaffenden in der Corona-Krise

An die Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters bkm@bk.bund.de
An den Vorsitzenden der Kulturministerkonferenz Bernd Sibler b.sibler@stmwk.bayern.de
Sowie an die Mitglieder des Bundestages
Elisabeth Motschmann elisabeth.motschmann@bundestag.de
Martin Rabanus martin.rabanus@bundestag.de
Yvonne Magwas yvonne.magwas@bundestag.de
Johannes Selle johannes.selle@bundestag.de


Berlin, den 30. April 2020
Betrifft: Rettet die Filmkultur! Positionen von neun Interessenverbänden zur FFG Novelle und
zur Unterstützung der Filmschaffenden in der Corona-Krise


Sehr geehrte Frau Staatsministerin Monika Grütters,
Sehr geehrter Herr Vorsitzender Bernd Sibler,
Sehr geehrte Mitglieder des Bundestages
Elisabeth Motschmann, Martin Rabanus, Yvonne Magwas, Johannes Selle,


wir unterzeichnenden Verbände und Vereinigungen haben großes Verständnis, dass die
außergewöhnlichen und für uns alle unerwarteten und belastenden Umstände der Corona-
Pandemie auch außergewöhnliche Maßnahmen erfordern.


Wir ersuchen Sie daher, die Laufzeit des aktuellen FFG keinesfalls um mehr als ein Jahr zu verlängern,
da wir es für dringend geboten halten, zeitnah ein Gesetz umzusetzen, das schlüssige Antworten auf
die Entwicklung und Krise findet.


Ebenso möchten wir Sie bitten, die Konsultationen zur Novellierung des Gesetzes zeitnah wieder
aufzunehmen. Dies kann auch auf kürzeren Wegen als an Runden Tischen geschehen – aber bevor
durch Referentenentwürfe bereits Vorfestlegungen vorgenommen werden.


Materielle Not, Sorgen und Unsicherheiten, die durch die Corona-Krise entstehen, betreffen uns alle:
Kreative, Produzent*innen, Filmschaffende vor und hinter der Kamera, Verleiher*innen, Filmfestivals
und Kinobetreiber*innen. Sie treffen die Branchenmitglieder allerdings sehr ungleich. Nicht wenige
arbeiten schon zu normalen Zeiten unter prekären materiellen Bedingungen. Nun drohen ganze
Sektoren und Beteiligte zu verschwinden bzw. abgewickelt zu werden. Deshalb möchten wir Ihnen
folgenden Vorschlag unterbreiten:


Während einige in dieser Krise vor der Insolvenz stehen, profitieren andere überproportional.
Dazu gehören Netzprovider und Streamingdienste ebenso wie die Fernsehsender, die in Zeiten
erzwungener Schließung von Kinos, Filmfestivals und anderen Kinokulturstätten ungeahnte
Zuschauerzahlen verzeichnen sowie längst verloren geglaubte Publikumsgruppen ansprechen und
über ihre Mediatheken und Youtube-Kanäle mit Filmen versorgen. Erste vorläufige Zahlen zeigen,
dass das digitale Streaming von Filmen in fast allen Ländern seit Beginn der Pandemie-
Eindämmungsmaßnahmen um bis zu 150 Prozent zugenommen hat. Netflix hat seit Anfang des
Jahres allein 16 Millionen neue Abonnenten gewonnen.


Diese Erfolge sind aber nur möglich durch die Vorarbeit all jener Filmschaffenden, Verleiher*innen,
Kino- und Festivalmacher*innen usw., die jetzt von der Krise betroffen sind und auf deren Kosten dies
nun geht.

Aus unserer Sicht ist hier ein fairer Ausgleich unbedingt geboten, um die krisenbedingte
unverschuldete Wettbewerbsverzerrung aufzufangen. Wir fordern daher – auch um die öffentlichen
Haushalte nicht noch zusätzlich zu belasten – eine Solidaritätsabgabe durch die Streamingdienste
und Netzprovider und – sofern angezeigt – durch die öffentlich-rechtlichen und privaten Sender.
Diese Abgabe sollte all jenen zugutekommen, die im Filmbereich massiv benachteiligt sind, gerade
auch den freien Kulturschaffenden im Filmbereich, die von der Soforthilfe des Bundes nicht
profitieren. Denn diese sind die Haupt-Leidtragenden in außergewöhnlichen Krisenzeiten.


Es ist wichtig, auch und gerade in schweren Zeiten, gemeinsam an Problemlösungen und Ideen zu
arbeiten, um dem Kino in seiner ganzen Vielfalt einen Platz in der Kulturlandschaft auch weiterhin zu
sichern. Wie unser letzter Brief wird auch dieser veröffentlicht werden, um die Branche und
Öffentlichkeit an der Diskussion zu beteiligen.


In der Hoffnung auf eine zukunftsträchtige Zusammenarbeit verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen


AG DOK
AG Filmfestival
AG Kurzfilm
Bundesverband kommunale Filmarbeit
Bundesverband Regie
Crew United
Hauptverband Cinephilie
Verband der deutschen Filmkritik
Zukunft deutscher Film