12. Februar 2016

Neue Vergütungs-Maßstäbe durch Regieverband

Mitgliederversammlung des Bundesverbands Regie auf der Berlinale 2016

Neue Vergütungs-Maßstäbe durch Regieverband

Im Zentrum der Mitgliederversammlung des BUNDESVERBANDS REGIE e.V. (BVR) standen die Verhandlungen über Gemeinsame Vergütungsregeln nach § 36 UrhG. Nachdem mit dem ZDF und mit Pro7Sat1 bereits Vereinbarungen getroffen wurden, konnten nun auch die Verhandlungen über dokumentarische Formate des ZDF und zum Kinofilm abgeschlossen werden. Für die Regie von Kinofilmen wurden budgetdifferenzierte Mindesthonorare sowie eine erfolgsabhängige Bonusvergütung (Escalator) vereinbart, die sich an der Kinobesucherzahl orientiert.

Die gesamte Vergütungsregel, die seit Februar 2016 gilt, kann hier nachgelesen werden:
Für fiktionale Kinofilme: 4GVR_BVR_ProdAllianz_U_Kino_Escalator_Vertrag.pdf
Für dokumentarische Formate (ZDF): 3GVR_BVR_ZDF_ProdAllianz_DokFilm.pdf
Der BVR strebt an, diese Vergütungsregel zusätzlich als Tarifvertrag zu vereinbaren. Die Verhandlungen mit RTL sind auf einem guten Wege, die mit der ARD stehen allerdings vor dem endgültigen Scheitern. Die Rechtepaket-Vorstellungen der ARD sind exorbitant, die vorgeschlagene Vergütung dafür marginal und unangemessen. Die öffentlich-rechtliche Gemeinschaftsanstalt entzieht sich nach wie vor fairer und redlicher Vergütung. Beraten wurde zudem, wie die Mediatheken-Nutzung, die insbesonders in der ARD drastisch zunimmt, einer angemessenen Vergütung zugeführt werden kann.

Vorgestellt wurde der zweite Diversitätsbericht Regie, der für das Jahr 2014 auch eine Analyse der Altersstruktur der Regie fiktionaler Formate und des Kinofilms enthält. Der Bericht stellt fest, dass die Unterrepräsentation von Frauen und von jüngeren Regisseuren/innen nach wie vor evident ist.

Die Mitgliederversammlung appellierte an Bundesjustizminister Heiko Maas, eine Verwässerung der anstehenden Novellierung des Urhebervertragsrechts nicht zuzulassen. Insbesondere die überfällige Verbindlichkeit eines Schlichterspruchs nach § 36a UrhG oder zumindest die Möglichkeit der gerichtlichen Überprüfung einer Ablehnung sollten in das neue praxisgerechte Urhebervertragsrecht aufgenommen werden. Ein Minimum an Verbindlichkeit bezüglich eindes Schlichterspruchs ist Voraussetzung dafür, dass mehr Vergütungsregeln abgeschlossen werden. Diese wiederum sind Voraussetzung für die geplante Einführung eines Verbandsklagerechts, das der BVR in der vorgesehenen Konstellation begrüßt.
Der BVR ist durch Zuwächse in den neu etablierten Berufsgruppen Synchronregie und Continuity stark gewachsen. Ihm gehören nunmehr insgesamt 800 Regisseure/innen, Regieassistenten/innen und Continuties an. Die BG Synchronregie strebt die baldige Aufnahme von Verhandlungen über Vergütungsregeln an.

Schließlich wurde für die nächsten beiden Jahre ein neuer Vorstand gewählt. Ihm gehören an: Peter Carpentier, Alex Schmidt und Stephan Wagner (geschäftsführende) sowie Markus Bräutigam, André F. Nebe, Jobst Oetzmann, Patrick Winczewski , Katarina Schickling (BG Dok-Regie), Stefan Ludwig (BG Synchronregie), Julia Eplinius und Axel Schill (BG Regieassistenz/Continuity).