2014


Auf der 39. Mitgliederversammlung, wiederum im Rahmen der Berlinale, werden Stephan Wagner, Esther Gronenborn, Peter Carpentier (alle geschäftsführend), André F. Nebe, Markus Bräutigam, Patrick Winczewski, Verena S. Freytag sowie als Sprecherin der Berufsgruppe Regieassistenz/Continuity Julia Eplinius in den Vorstand gewählt. Die rauschende „Directors Night“ wird fortgesetzt.

Fast das ganze Jahr über wird mit dem ZDF in einem Schlichtungsverfahren nach § 36a UrhG um eine Vergütungsregel Auftragsproduktion gerungen. Mühsam nähert man sich an. Der Schlichter hat eine rechtsdogmatisch etwas befangene Rechtsauffassung zum Begriff des Mindesthonorars, was die Vergütungshöhe über Gebühr nach unten definiert. Vereinbart wird schließlich ein Basishonorar BVR, das ein avanciertes Mindesthonorar für Regisseure/innen mit 180 min. Werkerfahrung darstellt. Es gelingen Honoraranhebungen innerhalb eines beinahe kompletten Folgevergütungssystems sowie die Steigerung des Primetime-Wiederholungshonorarsatzes auf 50 %. Die Steigerungen sind über die Jahre gerechnet maßvoll und die Verbesserung der bisher kaum akzeptablen online-Vergütung bescheiden. Bei den Vergütungssätzen für die Mediatheken-Einstellung besteht weiterer Verhandlungsbedarf. Die Vergütungsregel Gage Kinospielfilm mit einem exklusiven Regie-Escalator ist abschlussreif. Der BVRmöchte diese Vergütungsregel jedoch auch als Ergänzungstarifvertrag abschließen. Dem steht die Produzentenallianz noch etwas skeptisch gegenüber.

Beide Vereinbarungen werden auf einer a.o. Mitgliederversammlung eingehend diskutiert und angenommen. Bei den Verhandlungen mit der ARD besteht der Wunsch, das DEGETO-Vertragsmodell zur Grundlage zu nehmen. Dies bedeutet eine Buy-out-Vereinbarung mit Beteiligung im Erfolgsfall. Das Pro7Sat.1 Vergütungsregelmodell, das den Erfolg über Quote/Nutzer definiert, ist hier nur modifiziert anwendbar. Für die ARD müssen andere Wertigkeiten des Erfolgs gefunden werden. Insbesondere in der Bewertung der III. Programme, die eine große Ausstrahlungsfläche markieren, sind ARD und BVR sehr weit auseinander.

Wichtigstes medienpolitisches Thema sind Änderungen des Rundfunkstaatsvertrags. Bereits auf den Weg gebracht ist der Entwurf zu einem neuen ZDF Staatsvertrags. Hier geht es vor allem um die Neubesetzung des Fernsehrats. Vehement diskutiert wird darüber hinaus eine zukünftige zeitliche Entgrenzung der Einstelldauer in Mediatheken. Der BVR setzt sich dafür ein, dies rundfunkrechtlich nur zu erlauben, wenn Urhebern eine angemessene Vergütung für die erweiterte Einstellung bezahlt wird. Über die Verwendung von Mehreinnahmen aus der Haushaltsabgabe wird ebenfalls kontrovers diskutiert. Der BVR fordert hier, einen Teil als zweckgebundene Investition in die Programmwirtschaft zu verwenden. Zumal der 19. KEF-Bericht zeigt, dass ARD und ZDF insbesondere die Auftragsproduktion mit immer geringeren Mitteln ausstatten, und Programmmittel teilweise nicht für die Produktion verwenden.

In der Urheberrechtspolitik sind im letzten Jahr Impulse vor allem durch EU-Richtlinien, insbesondere zur Verfassung von Verwertungsgesellschaften auf den Weg gebracht worden. Letztere wird 2015 in deutsches Recht umzusetzen sein. Justizminister Heiko Maas hat zudem angekündigt, eine Reform des Urhebervertragsrechtes ins Auge zu fassen.

In der VG Bild-Kunst befindet sich die Berufsgruppe III seit mehr als einem Jahr in einer Mediation über Satzungs- und Mitbestimmungsfragen. Der BVR sieht sich etwa im Verwaltungsrat unterrepräsentiert. Hier soll eine neue Lösung gefunden werden. Aufgrund der EU-Richtlinien zu Verwertungsgesellschaften wird es spätestens 2016 zu einer Reihe von Satzungsänderungen der VG B-K kommen. Der BVR setzt sich hier für zwei Schwerpunkte ein: a) eine tatsächliche Feststellung von (Mit-)Urheberschaft durch Anwendung der Grundsätze des § 2 Abs. 2 UrhG und b) eine entsprechende prospektive Anwendung im Erstrechtebereich, falls die Mitglieder diese Wahrnehmung wünschen.

Der Deutsche Regiepreis METROPOLIS und die begleitenden Veranstaltungen, nun zusammengefasst unter dem Label „Tage der Regie“, finden 2014 in der HFF München statt. Auf einem der 6 Panels wird der von den Mitgliedern des BVR beauftragte erste Regie-Diversitätsbericht zum Anteil von Regisseurinnen an fiktionalen Film- und Fernsehproduktionen über den Zeitraum 2010-2013 vorgestellt. Im weiteren finden 8 Screenings und eine kleine Retrospektive von Filmen des Lebenswerk-Preisträgers István Szabó statt, der den Ehrenpreis der VG Bild-Kunst entgegen nimmt. Höhepunkt ist wiederum die Gala zur Verleihung der Deutschen Regiepreise 2014, die insgesamt mit EUR 50.000 dotiert waren. Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern gehören István Szabó für das Lebenswerk (als Ehrenpreis der VG Bild-Kunst), Edward Berger für beste Regie Kino für “Jack”, Hermine Huntgeburth für beste Regie Fernsehfilm für “Männertreu”, Arne Feldhusen für beste Regie Serie für die Serienfolge „Angehörige“ aus der TV-Serie “Tatortreiniger“, Pepe Danquart für beste Regie Kinder- und Jugendfilm für “Lauf Junge lauf“, Frauke Finsterwalder für beste Regie Nachwuchs für “Finsterworld”, Mo Asumang für beste Regie Dokumentarfilm für “Die Arier”, Jan Krüger für Beste produzentische Leistung die Produktion des Kinofilms „Jack“, Dr. Gudrun Hanke-El Ghomri Beste redaktionelle Leistung für die Redaktion des Dokumentarfilms „Achtzehn“, Jörg Hartmann als Bester Schauspieler für seine Darstellung in der TV-Serie „Weissensee“ und Liv Lisa Fries als Beste Schauspielerin für ihre Darstellung in „Morgen Mittag bin ich tot“.

Wichtigstes Ziel der Berufsgruppe Dok-Regie ist es, eine Vergütungsregel für dokumentarische Formate mit dem ZDF abzuschließen. Ein Herleitungspapier, das auf einem kompletten Folgevergütungsmodell basiert, fordert eine Anhebung bisheriger Tarife um 34 % und Wiederholungshonorare nicht nur für das Buch, sondern auch für die Regie. Im sozialpolitischen Bereich wird die erleichterte Bezugsmöglichkeit für ALG I für überwiegend kurzfristig Beschäftigte (unter 10 Wochen) mit einer Anwartschaftszeit von 180 SV-Tagen bis zum 31.12. 2015 fortgeschrieben.